Wipperau-Kurier
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Wendländische Hochzeitsbräuche

Vom Liebeszauber bis zur Hochzeitsnacht

Um kaum ein Ereignis im wendländischen Lebensrhythmus ranken sich so reichhaltige Bräuche wie rund um die Hochzeit. Die meisten sind darauf ausgerichtet, Böses fernzuhalten und abzuwehren und gute Geister einzuladen, um die Braut in ihrem neuen Haus freundlich aufzunehmen.

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Bei einem wendländischen Brauch wurde die Braut an ihrem Hochzeitstag vom Hochzeitszug, bestehend aus Bräutigam, Brautjungfern und feiernden Reitergruppen („Birieders“) vom elterlichen Haus abgeholt.


Die Verlobung
Damit es überhaupt zu einer Hochzeit kam, wurde gerne mit einem Liebeszauber nachgeholfen. Waren sich junge Leute nähergekommen und hatten die Eltern ihre Zustimmung gegeben, wurde ein Frieroarer (Freiwerber) mit der Vorbereitung einer Eheschließung war, gab es die Verlobung oder „Löfft“. Danach fuhren dann die Brautleute in die Stadt zum „Beköäb’m“. Die Brautleute „beköäb’m sick“ mit Ring, Gesangbuch, Uhr, die „Bruht’ark“, für die Braut und zwölf Bräutigamshemden, Zigarrenspitze oder Pfeife für den Bräutigam. Der Austausch der Geschenke geschah häufig öffentlich in der Kirche. Der in eine Bauernschaft einheiratende „Inköämer“ musste sich durch Ausgabe des „Kiekelbeer“ in die neue Bauernschaft einkaufen.
Bei abnehmendem Mond durfte nicht geheiratet werden, denn das brachte Unglück über die Wirtschaft und die Ehe.
Die Einladungen zur Hochzeit sprach der „Köss’nbidder“ aus, dieser wurde mit „Köss’nkuwweln“ (Weißbrot) ausgestattet. Wer das Gebäck annahm, nahm damit auch die Einladung an.

Die Hochzeitsvorbereitung
Am Tag vor der Hochzeit wurden alle Spiegel im Haus verhängt, denn ein Blick hinein hätte den Tod heraufbeschworen, glaubte man damals. Zur Vorbereitung wurden ein bis zwei Ochsen, mehrere Schweine, Kälber, Schafe und Hühner geschlachtet.
200 bis 300 Butterkuchen plus Zuckergebäck kamen in den Backofen. Trotzdem brachten die Gäste noch Körbe mit Lebensmitteln mit. Gefeiert wurde im Schnitt eine Woche lang. Eine Tradition, die heute noch lebt, ist der Polterabend. Für nicht eingeladene Dorfbewohner wurde ein mit Lebensmitteln gefüllter Korb, ein „Korfäd’n“, aus dem Hochzeitshaus in die Gastwirtschaft geschickt.
Eine Zeremonie für sich war das „Antrecken“ der Braut. Ihr wurde Leinsamen in die Schuhe gestreut und Hanf ums Bein gebunden, um damit für einen gesunden Kindersegen zu sorgen. Und damit die Braut von ihrem Ehemann nicht geschlagen wurde, band sie ihm ein kleines Stöckchen in sein Halstuch.

Der Hochzeitszug
Am Hochzeitstag wurde die Braut samt Mitgift mit Musik vom Bräutigam, den Brautjungfern und den „Birieders“ (feiernde Reitergruppe) zu Hause abgeholt. Braut und Bräutigam machten, bevor sie das elterliche Haus verließen, einen gemeinsamen Rundgang durch das Haus. Die Braut nahm dann in dem „Schappenwoag’n förn“ Platz, dem ersten Wagen des Hochzeitszugs. Es folgten ihr Wagen mit den Musikanten und dem Brautvater. Die „Korfmöhn“ oder „Oll Wäsch“ warfen den Kindern, die Stricke über den Weg spannten, Pfeffernüsse zu.
In ihrem Gepäck brachte die Braut die „Paggeleitzen“ und das „Paggeleitzenbeer“ für die Dorfgemeinschaft mit. Kam sie aus e inem anderen Dorf waren es drei Tonnen, kam sie aus dem selben Dorf, waren es zwei Tonnen Bier. Während der Fahrt zur Kirche durften die Brautleute sich nicht umschauen, denn „Die sick umkiekt, die kiekt sich noa ein anna um“: Wer sich umdreht, sieht sich nach einem anderen um. Schauen sich beide um, werden sie bald sterben, so glaubte man.

Die Hochzeitsfeier
Kam die Braut aus der Kirche, wurde sie von einer Frau mit vier Kerzen zwischen den Fingern empfangen, die mit ihr durch Haus und Hof ging. Dabei wurden Wendische Lieder gesungen.
Damit sollte die Braut allen Wesen – einschließlich der Unsichtbaren – als neue Hausfrau vorgestellt werden. Beim Hochzeitsmahl mussten die Brautleute gemeinsam von einem Teller essen. Übrigens: Schläft die Braut in der Hochzeitsnacht auf den Kleidern ihres frisch angetrauten Ehemannes, hat sie das Sagen in der Ehe.


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Foto: djd/www.cewe.de/Fotolia/Thinkstock