Wipperau-Kurier

Migrationshilfe Suhlendorf

Helfen, Fuß zu fassen


Der Krieg in der Ukraine hatte zur Folge, dass viele Frauen und Kinder das Land verließen. Auch in Suhlendorf und Umgebung haben Geflüchtete einen sicheren Hafen gefunden. Lokale, ehrenamtliche Helfer unterstützen wo es geht – und suchen Verstärkung.

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Ehrenamtliche Helfer bieten Geflüchteten aus der Ukraine in Suhlendorf eine Anlaufstelle und Hilfe im Alltag. Viele Spenden, unter anderem für die eigens aufgebaute Kleiderkammer, kamen zusammen.
Foto: privat

Seit März dieses Jahres sind viele Ukrainerinnen mit ihren Kindern auch in Suhlendorf und den umliegenden Dörfern angekommen.
Von Beginn an war bei vielen Suhlendorfern der Wunsch zu helfen da, nur war der Start etwas schwierig. Sowohl Gemeinde als auch Kirchengemeinde hielten sich bei Unterstützung und dem Zugang zu Räumlichkeiten zurück.
Zum Glück gibt es den Suhlendorfer Sportverein und die ehemalige langjährige Vorsitzende Katja Bäther, die einen Stein ins Rollen brachte. Heute kann das Vereinsheim kostenlos genutzt werden, um den Ukrainerinnen zu helfen. Wöchentliche Treffen und seit einiger Zeit auch ein Sprachkurs können so vor Ort ohne lange Fahrten abgehalten werden. Jeweils am Donnerstagnachmittag von 15 bis 17 Uhr ermöglichen Bäther und weitere Ehrenamtliche, dass die Frauen sich bei Kaffee und Kuchen über vielfältige Probleme mit Anträgen und Formularen, aber auch Alltagssorgen oder einfach nur die Planung eines Ausflugs am Wochenende austauschen können, während die Kinder toben und spielen. Der Kurs zum Erlernen von Grundlagen der deutschen Sprache findet an drei Vormittagen in der Woche statt und wird genauso gerne angenommen. Zwölf bis vierzehn Wissbegierige gehen erste Schritte, um sich in Deutschland verständlich machen zu können.

Kleidung, Fahrräder, Spielzeug
Ein weiteres Angebot der ehrenamtlichen Helfer ist die Kleiderkammer, die ebenfalls am Donnerstagnachmittag öffnet. Die meisten Geflüchteten kamen mit wenig Kleidung nach Deutschland – und die war für den Winter. Daher wurde ein Spendenaufruf gestartet, der unerwartet große Resonanz fand. Nicht nur die Suhlendorfer Bürger spendeten, auch aus weiter entfernten Gemeinden wurde sehr viel wirklich gute Sommerkleidung abgegeben: Für Kinder und Frauen gibt es Shirts, Blusen, Röcke, Kleider, Hosen und Jacken in großer Auswahl sowie viele Sommerschuhe. Es wurden auch viele Fahrräder gespendet, damit die Frauen mobil sind.
Daneben wurde sehr viel Spielzeug gespendet. Große und kleine Kinder freuen sich sehr über Bilderbücher, Puzzles, Gesellschaftsspiele und mehr. Mancher Mitbürger bringt auch mal ein Paket Kaffee und Kuchen oder Kekse zum Donnerstagstreff vorbei – alles ist willkommen.
Die Ehrenamtlichen bedanken sich im Namen der Ukrainerinnen und Kinder ganz herzlich für diese großzügige Bereitschaft zu helfen.

Weitere Helfer willkommen
Es gibt aber nicht nur diese direkt sichtbare Hilfe der Ehrenamtlichen. Die größten Schwierigkeiten für die Geflüchteten bilden bürokratische Hürden, bei denen sehr zeitaufwendig und kompetent geholfen wird. Nachdem beispielsweise alle Flüchtlinge das Prozedere bei Ausländerbehörde und Sozialamt durchlaufen hatten, galt ab 1. Juni der sogenannte Rechtskreiswechsel. Das bedeutete den Übergang der Zuständigkeit vom Sozialamt auf das Jobcenter. Also mussten wieder neue Anträge gestellt und neue Behördengänge absolviert werden. Ohne Hilfe sind die Menschen, die der deutschen Sprache noch nicht mächtig sind und sich auch in unserer Behördenstruktur nicht auskennen, dazu kaum in der Lage. Immer wieder ragen neue Hindernisse auf, die gemeistert werden müssen.
Ganz aktuell fehlt es an Wohnraum. Wer eine Wohnung oder ein Ferienhäuschen vermieten kann und möchte, sollte sich melden. Auch Menschen, die russische oder ukrainische Sprachkenntnisse haben und übersetzen können, werden ständig gebraucht.
Die Frauen sind sehr dankbar für die erfahrene Unterstützung, ist ihr Leben doch vorwiegend beherrscht von der Sorge um ihre Männer, Familie und Freunde in der Ukraine und alles, was sie dort zurückgelassen haben. Alle wünschen sich schließlich, möglichst bald in die Heimat zurückkehren zu können.
In der näheren Zukunft wollen die Helfer einen Fahrdienst ins Leben rufen: Der Sommer wird irgendwann zu Ende gehen und bei Sturm und Regen können Frauen und Kinder nicht mit dem Fahrrad über die Landstraßen nach Suhlendorf radeln. Hierzu fehlt es aber noch an Fahrzeugen und Fahrern – natürlich ebenfalls ehrenamtlich.
Dorothee Wagner