Wipperau-Kurier
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Ein Kleinod aus dem Wendland

Die älteste, irische Harfe ganz neu

Ein Musikinstrument, das zu den ältesten der Welt gehört, ‧wurde nun im Auftrag des Harfenisten Thomas Zapft nach‧gebaut – im Wendland von wendländischen Handwerks‧künstlern und -künstlerinnen: Harfenbauer Buxe Kleiner, ‧Goldschmiedin Luise Ulrich, Restaurator Dietrich Wellmer und mehr waren beteiligt.

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Mit den detaillierten Einlegearbeiten und den goldenen Saiten steht der Nachbau dem Original in nichts nach.


Sie fällt sofort ins Auge. Mit all ‧ihren Verzierungen, den leuchtenden Farben – dem Braun des Holzes, blauen und goldenen Verzierungen am Korpus. Und dabei gehört sie mit ihren rund 60 Zentimetern Größe wahrlich zu den kleineren Harfen. Es ist die Trinity College Harp, auch bekannt als Brian Boru Harp. Historisch aber ist die Harfe drei oder vier Jahrhunderte jünger als Brian Boru, ein irischer Hochkönig der von 940 bis 1014 nach Christus gelebt hat. Thomas Zapf, der Harfenist, in dessen Auftrag diese Harfe gebaut worden ist, erklärt: „Die Bezeichnung Brian Boru ist vermutlich eine folkloristische Reminiszenz an die irische Romantik.“
Anderer Namensgeber ist das Trinity College in Dublin, in dem das Original dieser Harfe aufbewahrt wird. Der Harfenbauer Buxe Kleiner aus Wittfeizen weist darauf hin, dass sie wahrscheinlich die „berühmteste Harfe der Welt ist – die jeder von uns schon mal in der Hand gehabt hat.“ Denn sie ist das Staatswappen Irlands und prägt die irischen Euromünzen. Für Thomas Zapf ist angesichts dieser bis ins Detail nachgebauten Harfe klar: „Sie ist, soviel ich weiß, in Deutschland die einzige.“

Eine ganz besondere Harfe
Die Trinity College Harp „hat einen Korpus, der aus einem Stück Holz ist. Nichts ist geleimt oder genagelt, sondern es ist ein dickes Stück Holz das ausgehöhlt wurde“, erklärt Buxe Kleiner. Sie hat schon immer Metallsaiten gehabt, die des Nachbaus sind aus Gold. Thomas Zapf erzählt, dass Metallsaiten an den Harfenspieler besondere Anforderung stellen. Sie haben einen sehr langen Nachklang, und „eigentlich muss ich jeden Ton zweimal spielen: Ich muss ihn einmal spielen und einmal dämpfen.“ Dazu braucht man eine spezielle Technik, die man mit Fingernägeln spielt.
Thomas Zapf ist seit gut 20 Jahren Harfenist. Er lebt im Raum Erlangen/Nürnberg. Für ihn ist Musik „ein ganz zentraler Teil meines Lebens.“ Er ist ausgebildeter Geiger, hat aber ein Faible für Mittelaltermusik. „Ich war schon immer ganz fasziniert von dem Klang dieser irischen Metallsaiten-Harfen, der so ganz anders ist als der klassische Harfenklang.“ Und hierbei ist gerade die Trinity College Harp der Archetyp der Harfen. „Sie ist eigentlich die Harfe in Perfektion“, schwärmt Thomas Zapf.
Harfen waren Musikinstrumente der Herrschenden. „Es ist ganz schwierig herauszufinden, welche Musik tatsächlich auf dieser Harfe gespielt wurde, weil man da keine schriftlichen Quellen hat, Die Iren haben alles mündlich überliefert.“ Erst im 17. bis 18. Jahrhundert haben Harfner angefangen, Volksmusik zu spielen. In diesem Kontext sind dann die Harfen größer geworden und haben gängigere und leichter zu bespielende Saiten bekommen.

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Die 60 Zentimeter große Trinity College Harp ist auch das Staatswappen Irlands.Fotos: du


Zehn Jahre Handarbeit
„Ich finde es eine ganz tolle Entwicklung, dass wir mit Buxe einen der weltweit besten Harfenbauer hier bei uns in Deutschland haben“, so Thomas Zapft weiter. Und da Buxe über entsprechende Verbindungen zu den anderen hervorragenden Handwerkskünstlern pflegt, lag es auf der Hand, die Harfe hier anfertigen zu lassen.
Vom Aussuchen des Holzes bis zum Setzen des Schlusssteines stecken gut zehn Jahre Arbeit in dem besonderen Instrument. Dabei ist alles Handarbeit, alles ganz speziell und einmalig für diese Harfe geschaffen: die Gravuren, die Silberköpfe, die Verzierungen mit den Gold- und Blautönen, das Schleifen und das Arbeiten der Fassungen für die Edelsteine. Die hauptsächlich daran beteiligten Handwerkskünstlerinnen und -künstler kommen fast alle aus dem Wendland. Da ist Luise Ulrich aus Künsche oder Dietrich Wellmer aus Himbergen.
Um dieser Verbundenheit mit dem Wendland auch künstlerisch Ausdruck zu geben, hat unter all den gravierten Silberknöpfen die Wendlandsonne an markanter Position ihren Platz. Deswegen soll auch – sobald es die Corona-Bedingungen zulassen – das erste öffentlich Konzert mit dieser Harfe im Wendland gespielt werden.
du