Wipperau-Kurier

Heimatmuseum Uelzen

Altes neu präsentiert


Das Heimatmuseum Uelzen präsentiert sich komplett neu: neues Logo, neue Räumlichkeiten und eine neue Dauerausstellung. Noch ist alles im Rohbau, aber in der Bahnhofstraße bekommen Groß und Klein bald spannende Einblicke in die Stadtgeschichte.


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Museumsleiter Ulrich Brohm und Projektleiterin Almuth Kölsch vor dem neuen Logo des Heimatmuseums


„Das ist ein radikaler Bruch“, sagt Dr. Ulrich Brohm nicht ohne Stolz. Der Museumsleiter und sein Team sind gerade dabei, das Heimatmuseum der Stadt Uelzen neu aufzubauen. Nach einer bewegten Geschichte war es zuletzt im Schloss Holdenstedt ansässig. Mit dessen Verkauf an einen privaten Investor schloss das Museum und zog in die alte Sparkasse in der Bahnhofstraße um. Hier sind die rund 15.000 Exponate sicher im Keller gelagert.
Darüber geht es geschäftig zu, denn das Museum erfindet sich am neuen Standort auch ganz neu, will die Chance nutzen. „Mit dem Umzug ins Stadtzentrum sind wir nicht mehr so weitab vom Schuss“, sagt Brohm. „Hier kriegen wir vielleicht auch Laufkundschaft.“ Schulklassen können das Museum dort einfacher erreichen, auch zum ZOB ist es zu Fuß nicht weit. Wanderausstellungen, ansprechende Arbeitsräume und museumspädagogische Mitmachstationen locken.
Auch die neue Dauerausstellung soll so attraktiv wie möglich sein. „Das neue Konzept stellt die Stadt Uelzen und das Umland in den Mittelpunkt“, erklärt Brohm, das sei vorher nicht unbedingt der Fall gewesen. Dabei denken die Fachleute in Themen, nicht chronologisch. Jeder Themenbereich wird mit entsprechenden Exponaten bestückt und durch besondere Stücke eröffnet.
So wird am Eingang der alten Sparkasse das mehrere Quadratmeter große Modell, das die Stadt vor dem großen Brand 1646 zeigt, die Besucher begrüßen. In diesem ersten Bereich wird es um das äußere Stadtbild und die Architektur, aber auch um die Geschichte des ehemaligen Sparkassengebäudes selbst gehen. Eine Medienstation mit interaktivem Stadtplan lädt dann zum Entdecken ein.

Von der Vorgeschichte bis ins 20. Jahrhundert
Ein zweiter Bereich „Archiv im Untergrund“ wird anhand archäologischer Funde das Alltagsleben im Uelzen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, aber auch das Leben in der vorgeschichtlichen Region aufzeigen. Ein alter Ratsstuhl soll den Bereich „Politik und Verwaltung“ eröffnen. Hier erfahren Besucher alles rund um die Demokratisierung im Zuge des Stadtparlaments, aber auch über den Niedergang der Demokratie in der NS-Zeit und die Judenverfolgung.
Der nächste Bereich wird sich mit der Bevölkerungsentwicklung beschäftigen, im Schwerpunkt auch mit dem Bohldammlager, das sich bis 1962 vor Uelzen befand.
„Hier setzen wir auch wieder auf Interaktion“, sagt Ulrich Brohm. An einer Wand werden sich individuelle Geschichten und Porträts finden. Mit einem Selfie können Besucher Teil davon werden – und sich so mit der Frage auseinandersetzen, was die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner mit ihnen zu tun hat. Im fünften Bereich geht es um die heimische Wirtschaft und die Infrastruktur. Hafen, Straßen, die Schiene und Zucker sind hier die beherrschenden Themen – zumindest im industriellen Zeitalter.
Darauf folgt der Bereich „Kultur und Bildung“, zum Teil anhand der Mediengeschichte, war doch der Buchdruck schon immer Teil Uelzens Geschichte. Auch die reiche Vereinsgeschichte wird hier aufgegriffen.
Es folgt der Themenblock „Religion“, der die Entwicklung vom rein katholischen mittelalterlichen Uelzen über die Reformation in die konfessionell durchmischte heutige Stadt nachzeichnet. Hier befindet sich auch ein großer Schrank, der früher in der St.-Marien-Kirche stand. Das massive und schöne Möbelstück stammt aus der Zeit um 1500 und war vermutlich ein Sakristeischrank. Er ist damit eines der ältesten Objekte in der Museumssammlung.
Ein Epilog widmet sich der Geschichte des Trägervereins und beantwortet Fragen wie: „Was ist die Aufgabe eines Museums?“ und „Wie entsteht eine Dauerausstellung?“ Hier werden ausgewählte Stücke aus der Röver-Gläsersammlung, die die Ausstellung im Schloss Holdenstedt beherrschte, zu sehen sein.
„Alles wird hell und übersichtlich gestaltet sein“, freut sich Ulrich Brohm, „und interaktiv wird es auch zugehen.“
Dazu ist noch einiges zu tun, die Wände stehen, aber das erarbeitet Konzept muss noch umgesetzt werden. Farben, Tafeln, Medienstationen, Beleuchtung, Vitrinen müssen bis zum nächsten Frühjahr stehen.
„Im April oder Mai 2023 werden wir eröffnen“, verspricht Brohm.
dt


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Um 1970 herum entstand auf Basis eines Merian-Stiches das große Stadtmodell Uelzens vor dem Brand 1646. Es begrüßt die Besucher am Eingang.
Fotos: dt