Wipperau-Kurier

Lebensmittelrettung im Landkreis Uelzen

Nichts für die Tonne


„Wer übrig hat, gibt, wer braucht, der nimmt“ – mit diesem ein‧fachen Prinzip sollen auch im Landkreis Uelzen Lebensmittel vor der Müllhalde gerettet werden. Dazu haben sich mittlerweile über 1000 Privatpersonen in der Facebook-Gruppe „Lebensmittelrettung – LK Uelzen“ vernetzt und bieten sich gegenseitig noch genießbare Lebensmittel an.
Seit gut einem halben Jahr hat die Aktion erheblich an Fahrt aufgenommen, nicht zuletzt dank Sabrina Hansl aus Batensen. „Es ist schön zu sehen, wie viele Menschen sich mit dem Thema Lebensmittelverschwendung beschäftigen und etwas dagegen tun wollen“, freut sich die 29-Jährige. Die zweifache Mutter engagiert sich sehr, seit sie einen toten Wohnungslosen aufgefunden hatte, der massiven Nahrungsmangel aufwies. Dass in Deutschland jemand verhungert, während Tonnen an Lebensmitteln in den Müll wandern, wollte sie nicht länger akzeptieren.
Abgesehen davon ist Lebensmittelverschwendung in Zeiten des Klimawandels ein Unding.
„Ich bin einfach in den Edeka in Rosche marschiert“, erzählt Hansl von den Anfängen ihrer Mühen. Die Betreiberin Dorette Belitz war sofort begeistert davon, Lebensmittel wegzugeben, statt sie wegzuwerfen. Mittlerweile sind noch andere Supermärkte und Discounter sowie diverse Bäckereien und Landwirte Teil der Aktion. „Wir bekommen so viele Lebensmittel zur Verteilung, das ist alleine nicht machbar“, erklärt Hansl, die selbst ein wenig erstaunt darüber war, wie viel Nahrung ansonsten weggeworfen wird. „Wir nehmen also niemandem etwas weg“, betont Hansl, die in keiner Weise als Konkurrenz zur Tafel steht. „Auch dieser wunderbare Verein kann nicht alles abholen und verteilen, was übrig ist.“
Zusammen mit ihrer langjährigen Freundin Mandy Nitsche aus Uelzen und vielen weiteren Helfern wird so viel Essen gerettet wie möglich. Nitsche übernimmt dabei die inzwischen nötige Koordination. „Es fällt so viel an, dass wir Schichtpläne für die Freiwilligen brauchen“, erklärt Hansl weiter, „schließlich müssen Abholungen und Ausgaben organisiert werden.“
Die Ausgaben finden mittwochs um 16 Uhr bei der AWO in Bad Bevensen und freitags oder samstags in „Beck’s Schlemmershop“ in Uelzen statt. In Suhlendorf steht ein Holzhäuschen auf dem Gelände der Marienkirche, in dem unverderbliche Lebensmittel gelagert werden, an denen sich jeder bedienen darf.
„Das alte Spielhäuschen wurde vom Küster wetterfest gemacht“, freut sich Hansl, auch hat die Kirchengemeinde der nötigen Lichtinstallation zugestimmt. „Das Angebot wird gut angenommen, wie wir beim wöchentlichen Aufstocken sehen“, sagt Hansl. Die gute Nachfrage lässt auf mehr Unterstützer hoffen, die ihr Konsumverhalten nachhaltig verändern.
Sabrina Hansl, selbst studierte Biologin und Volkshochschul‧dozentin, will dafür die Initiative weiter vorantreiben und strebt auch eine Vereinsgründung an. Sie möchte außerdem Ökotro‧phologie – eine Mischung aus ‧Ernährungs- und Haushaltswissenschaft – studieren und mit Rezepten und vielleicht einem Buch Aufklärungsarbeit leisten. Demnächst könnten auch Feldfrüchte gerettet werden. „Ideen haben wir viele“, sagt Hansl, „es wird weitergehen.“
dt

Bild "IMG_6393.jpeg"

Sabrina Hansl setzt sich gegen Lebensmittelverschwendung ein. In Suhlendorf steht ein Verteilhäuschen ihrer Initiative.
Foto: dt