Wipperau-Kurier
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Ein schlechtes Jahr für die Landwirtschaft

Erst kam der Regen, dann die Dürre

Im Frühjahr kam die Saat wegen der aus dem Winter überfeuchten Äcker verspätet in den Boden. Nach der Bestellung war es dann plötzlich so trocken, dass die Saat teilweise nur mager aufging. Vom April bis September fiel kaum ein Tropfen Wasser. Für die Landwirte bedeutet diese komplizierte Wetterlage massive Ernteeinbußen. Trotz Beregnung entstand vor allem bei Kartoffeln und Getreide ein Minderertrag von rund 30 Prozent. Dennoch werden nur wenige Landwirte Fördergelder in Anspruch nehmen müssen.

Lutz Meyer, Vorstandsmitglied im Bauernverband Nord-Ost-Niedersachsen (BVNON), zur diesjährigen Erntelage: „Die frühen Saaten sind zwar noch aufgelaufen. Aber schon beim Mais gab es Probleme.“ Kaum waren die Äcker ein wenig abgetrocknet, begann die große Dürre. Eine Beregnung von 70 bis 90 Litern pro Quadratmeter im Sommer ist normal. „Doch dieses Jahr musste insgesamt mehr als die doppelte Wassermenge eingesetzt werden, um die Felder ausreichend zu wässern. 200 bis 250 Liter pro Quadratmeter waren dieses Jahr notwendig“, sagt Meyer.
So mancher Landwirt musste bis zu 3000 Euro Energiekosten monatlich aufwenden, um die Beregnungsanlagen in Gang zu halten. Trotz der wiederkehrenden Meldungen über sinkende Grundwasserstände reichten die Grundwasserkapazitäten auch dieses Jahr noch aus. „Beim Oberflächenwasser gab es irgendwann Probleme“, so Meyer. „Dort wo Tiefbohrungen vorhanden waren, konnte aber durchgehend bewässert werden. Dadurch dass die Grundwasservorräte im Winter und schon im Vorjahr so stark aufgefüllt worden waren, stand noch genügend Wasser zur Verfügung.“ Es gibt aber kaum verlässliche Informationen darüber, wie viel Grundwasser tatsächlich in der Region zur Verfügung steht. Deshalb haben sich die Feldberegner in den Landkreisen Lüneburg und Uelzen schon vor zwei Jahren zusammengetan und Dachverbände gegründet, um ein hydrogeologisches Gutachten gemeinsam zu finanzieren. Dieses soll Auskunft darüber geben, mit welchen Grundwassermengen in den Kreisen Lüneburg und Uelzen langfristig gerechnet werden kann. Dazu werden an ausgewählten Stellen Messungen an ausgewählten Beregnungs- oder Messbrunnen durchgeführt. Bis zum Ende des Jahres soll das Gutachten fertiggestellt sein.
Hintergrund des Gutachtens ist auch: Prognosen gehen davon aus, dass in Zukunft mehr Wasser gebraucht wird. „Wir wollen abchecken, wie viel man wirklich entnehmen kann, bevor irrever - sible Schäden entstehen, denn niemand will die Heide leer pumpen“, betont Meyer. „Wir wollen stabile Grundwasserstände haben, die, von den innerjährlichen Schwankungen abgesehen, nicht ständig sinken.“

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Schon Ende August kauten die Rinder in der Region nur noch an kurzen, trockenen Halmen. Eine Beregnung der Weiden war nur vereinzelt möglich.


Parallel dazu arbeiten die Landwirte an wassersparenden Techniken, die den Grundwasserverbrauch minimieren. Auch die Viehhalter hatten dieses Jahr massive Probleme. Normalerweise können die Futterweiden dreimal im Jahr gemäht werden. „Dieses Jahr reichte es meist nur zu einem einzigen Schnitt“, so Meyer. Das bedeutet, dass die Landwirte den Wintervorrat zukaufen müssen. Außerdem waren die Weiden im Spätsommer so trocken und abgegrast, dass teilweise seit August zugefüttert werden musste. Viele Viehhalter leben also in der Sorge, ob ihr Futter bis zum nächsten Frühjahr reicht. Zukaufen können sie nur aus Regionen, wo mehr Wasser vom Himmel kam. Dementsprechend hoch sind also die Preise für Winterfutter. Nicht nur Milchlandwirte, die sowieso an der Rentabilitätsgrenze produzieren, kommen da an die Grenzen der Leistbarkeit.
Helfen da die millionenschweren Förderprogramme, die Land und Bund angekündigt haben? Für Lutz Meyer sind diese Gelder nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Das ist nur eine populistische Maßnahme“, ärgert er sich. „Das bringt keine echte Entlastung. Der Einzelne bekommt vielleicht 20 Prozent seiner Verluste ausgeglichen.“ Viel wichtiger sei es, fordert er, die Möglichkeit für die Landwirte zu schaffen, eine steuerfreie Rücklage anzulegen, die in schlechten Jahren genutzt werden könne.
Dieses harte Jahr ist für die hiesigen Landwirte noch glimpflich ausgegangen, da die Preise für Kartoffeln und Getreide auch steigen, um den Minderertrag auszugleichen. Viele stellen sich aber die bange Frage: Wie wird es nächstes Jahr werden?
asb

Foto: Angelika Blank


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